Ach… du bist auch Coach?

Mai 21, 2026 | Blogbeitrag

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Ach...Du bist auch Coach? 

Über Schnellbleichen, echte Schulung und den Mut, einen anderen Weg zu gehen



Es gibt mittlerweile mehr Coaches in meinen Social-Media Kanälen als Sandkörner am Strand, und ich sage das mit aller Liebe und einem leichten, leider notwendigen Augenrollen, denn irgendwann in den letzten Jahren ist offenbar ein stiller Beschluss durch unsere Gesellschaft gegangen, der ungefähr so lautete: Wer dreimal sein eigenes Leben hinterfragt hat, einen Online-Kurs am Wochenende durchgeklickt hat und sich ein hübsches Profilbild auf einem Felsen am Meer machen lässt, darf sich Coach nennen. Und während ich das hier mit einem leisen Schmunzeln schreibe, weiss ich gleichzeitig, dass dahinter eine ernsthafte Frage steht, die viele Menschen umtreibt, die mit Herz und echter Absicht in dieses Feld kommen wollen – die Frage nämlich, was diese Berufsbezeichnung eigentlich noch wert ist, wenn sie scheinbar jeder bekommt, der dafür den Aufnahmebutton anklickt.


Vielleicht kennst du das Spielchen.

Du sitzt am Sonntagnachmittag auf dem Sofa, scrollst dich gedankenverloren durch Instagram, und innerhalb von zehn Minuten hat dir ein junger Mann mit weissem Hemd und stark beleuchteter Stirn versprochen, dass du in sechs Wochen ein Sechsstelliges-Coaching-Business aufbauen wirst, eine Frau mit Heiligenschein-Lichtring hat dir verraten, dass deine fünf Schritte zur inneren Königin nur darauf warten, in einer Bali-Retreat-Woche freigesetzt zu werden, und irgendwo dazwischen wirst du gefragt, ob du nicht auch deine wahre Berufung leben möchtest, am liebsten ab Montag, gegen kleines Geld und ohne jede Vorerfahrung. Du atmest tief durch, legst das Handy weg und denkst: Vielleicht bin ich auch einfach nicht der Typ dafür.


Und genau hier möchte ich dich kurz festhalten

Denn ich glaube, da liegt einer der grössten Irrtümer unserer Zeit begraben, und der lautet ungefähr so: Weil das Feld so laut, so schnell und so überladen geworden ist mit Selbstdarstellung und Hochglanzversprechen, denken viele wertvolle Menschen, gerade die, die diese Arbeit mit ihrer ganzen Tiefe machen könnten, sie hätten dort drinnen nichts verloren. Sie verwechseln die Schaufenster mit dem Handwerk. Sie sehen die schnelle, laute, manchmal etwas peinliche Variante und schliessen daraus, dass die seriöse, leise, handwerklich gewachsene Variante gar nicht existiert.


Doch, sie existiert. Sie hat nur kein so grelles Licht.

Und sie braucht – das ist die Wahrheit, die uns niemand verkaufen möchte, weil sie sich schlecht in einer Reel-Caption unterbringen lässt – Zeit. Sie braucht echte Schulung, ehrliche Selbsterfahrung, das Sitzen mit den eigenen unbequemen Wahrheiten, die Bereitschaft, sich von erfahrenen Menschen begleiten und gelegentlich auch unangenehm spiegeln zu lassen. Sie braucht ein Lehrjahr, das man nicht mit zwei Klicks und einer Kreditkarte abkürzen kann.


Was eine Schnellbleiche und ein echter Weg unterscheidet

Eine Schnellbleiche ist z.B. ein reiner Online-Kurs, den du nachts um halb elf im Pyjama noch schnell durchklickst, während dein Mann nebenan Tatort schaut. Sie ist ein PDF mit dem Titel Die ultimativen sieben Fragen für deinen Coaching-Durchbruch, ein Zertifikat als Download und ein lila Badge auf deinem LinkedIn-Profil. Und ich will hier ganz fair bleiben: Manche dieser Angebote sind gut gemacht, sind ein guter Einstieg, sind eine ehrliche erste Berührung mit dem Feld – aber sie sind eben kein Handwerk, sie sind ein Schnupperkurs, und niemand würde nach einem Schnupperkurs in der Töpferei behaupten, er sei nun Keramikmeister.


Ein echter Weg dagegen sieht anders aus, und ich sage dir hier auch gleich ehrlich, was er nicht ist: Er ist nicht bequem, er ist nicht in einem Wochenende erledigt, er macht dich nicht in sechs Wochen zur strahlenden Beraterin und nicht in drei Monaten zur Bestsellerautorin. Er ist langsamer, leiser, manchmal anstrengender, oft ehrlicher, als dir lieb ist – und genau deshalb hält das, was du in ihm lernst, ein Leben lang. Er beinhaltet, dass du dich selbst auf einen Stuhl setzt, bevor du einen anderen Menschen auf einen Stuhl setzen darfst. Er beinhaltet, dass du deine eigenen Schatten kennenlernst, deine eigenen Verstrickungen, deine eigenen wunden Stellen, weil all das sonst in jeder Sitzung mit deinen späteren Klientinnen ungebeten am Tisch sitzt. Er beinhaltet Lehrcoachings, in denen jemand dir mit liebevoller Klarheit sagt, wo du blinde Flecken hast – und das ist, glaube ich, eines der grössten Geschenke, die man im Lernen bekommen kann, auch wenn es im Moment ein wenig kratzt.


Und dann kommen die Pferde

Hier wird es spannend, und hier wird mein etwas spöttischer Ton ein wenig weicher, weil ich nun über etwas spreche, das mich täglich neu beeindruckt, ohne dass ich es jemals vollständig erklären könnte.


Pferdegestütztes Coaching ist nicht noch eine Methode in einem ohnehin schon überfüllten Markt, es ist eine ganz eigene Form von Arbeit, in der etwas geschieht, das in einem reinen Gesprächssetting in dieser Geschwindigkeit kaum möglich ist. Was in einer klassischen Gesprächstherapie manchmal viele Monate oder Jahre braucht – nämlich, dass ein Mensch seine eigenen Muster nicht nur intellektuell versteht, sondern in seinem Körper, in seinem Atem, in seinen Tränen tatsächlich erlebt – das zeigt sich am Reitplatz oft innerhalb einer einzigen Sitzung. Nicht weil Pferde Magie sind. Sondern weil sie nicht lügen können, und weil sie uns mit einer Direktheit konfrontieren, gegen die wir Menschen uns kaum verteidigen können.


Ich erinnere mich an eine Klientin, eine erfolgreiche Anwältin Anfang fünfzig, die zu Beginn unseres Coachings freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass sie keine Lust auf, ich zitiere, esoterischen Schnickschnack habe, sondern an einer ganz konkreten beruflichen Entscheidung arbeiten wolle. Ich nickte, wir gingen auf den Reitplatz, sie stellte sich aufrecht und in ihrer ganzen anwaltlichen Würde hin, und Nubia, meine Stute, die keine Erwartungen mag und sehr deutlich zeigt, wann jemand nicht wirklich präsent ist, wandte sich nach drei Sekunden ab und ging desinteressiert in die andere Ecke. Die Anwältin lachte zuerst, ein bisschen verlegen, ein bisschen empört, und sagte dann nach einer langen Pause einen Satz, den sie selbst nicht erwartet hatte: «Genau das passiert mir auch in meinen Beziehungen. Alle gehen weg.» Wir hatten in diesem Moment etwas berührt, das in einer Gesprächssitzung wahrscheinlich erst nach vielen Stunden vorsichtigen Tastens überhaupt auf den Tisch gekommen wäre. Und ich möchte hier ausdrücklich sagen, weil das wichtig ist: Damit war ihr Thema nicht gelöst – das ist nie in einer Stunde gelöst und versprechen kann das ohnehin niemand seriös –, aber es war sichtbar geworden, und damit beginnt die eigentliche Arbeit.


Warum ich vorsichtig bin mit Versprechen

Ich werde in diesem Text keine Heilsversprechen machen, und du solltest – das sage ich dir als liebgemeinter Ratschlag von Mensch zu Mensch, beruflich wie privat – grundsätzlich misstrauisch werden, wenn jemand sie macht. Pferdegestütztes Coaching ist kein Wundermittel, kein Ersatz für eine indizierte Psychotherapie, kein Garantieschein auf ein anderes Leben in vier Wochen. Es ist ein wirkungsvolles, tief gehendes Format, das vieles sichtbar und erfahrbar macht, was wir uns sonst lange schönreden – und es entfaltet seine Kraft genau dann, wenn die Person, die es anwendet, selbst durch einen ehrlichen Weg gegangen ist, einen Weg mit Theorie, mit Praxis, mit Selbsterfahrung, mit echten Lehrenden und echten Pferden, nicht mit einem Stockfoto und einem PDF oder einem reinen online Kurs...


Das ist, glaube ich, der entscheidende Unterschied, um den es mir in diesem Text geht: Nicht ob du Coach werden darfst – das darfst du, und wenn dein Herz dich ruft, dann sollst du es sogar –, sondern wie du diesen Weg gehst. Ob du dich für die schnelle Variante entscheidest, weil sie bequem ist, oder ob du den langsameren, anstrengenderen, ehrlicheren Weg wählst, der dich nicht nur zu einem zertifizierten Profil macht, sondern zu einem authentischen Menschen, derweiss, was er tut und wo sein Kompetenzbereich liegt. Der nicht jeden Klienten mit einer Methode verarztet, weil sie keine andere gelernt hat, sondern der spürt, was gerade gebraucht wird. Mit Herz, Achtsamkeit und und Know-How.


Drei ehrliche Fragen, bevor du dich für eine Ausbildung entscheidest


1. Wer steht eigentlich hinter dieser Ausbildung – und wo bin ich, wenn ich nach zwei Wochen ein Problem habe?


Frag dich, ob du die Menschen kennst, die dich begleiten würden, ob sie selbst seit Jahren praktisch arbeiten, ob sie erreichbar sind, ob du ihre Haltung spürst, wenn du mit ihnen sprichst. Eine Ausbildung ist auch eine Beziehung, und Beziehungen wählst du sonst auch nicht über ein Verkaufsvideo aus.


2. Wie viel Selbsterfahrung steckt eigentlich drin – und wie viel reines Konsumieren?


Eine gute Ausbildung lässt dich nicht nur lernen, was du mit anderen tun wirst, sondern führt dich zuerst durch deinen eigenen Prozess. Wenn das Wort Selbsterfahrung in einem Curriculum fehlt oder nur am Rande auftaucht, ist das ein Signal – aber kein gutes.


3. Sind dort wirklich Pferde dabei oder vor allem auf den Bildern?


Klingt banal, ist es aber nicht. Pferdegestütztes Coaching lernst du nicht ohne Pferde. Nicht hauptsächlich vor dem Laptop. Nicht in einem digitalen Klassenzimmer. Du lernst es in der direkten Interaktion mit Mensch und Pferd. Bei jeder Witterung, mit Sand in den Schuhen und einem Pferd mit einem eigenen Willen. Genau das ist die Schule, die dich später trägt.


Du musst dich nicht entmutigen lassen vom Lärm um dich herum, von der Inflation der Coaching-Titel, von den Hochglanzkachelinhalten und den schnellen Wegen, die alle versprechen, dass es heute leichter geht als gestern. Es geht nicht leichter. Es geht ehrlicher, wenn du den richtigen Weg wählst. Und genau dort, wo es ein bisschen länger dauert, ein bisschen mehr verlangt und ein bisschen mehr Tiefe braucht, wartet die Arbeit, die wirklich etwas verändert – bei dir selbst und später bei den Menschen, die dir begegnen werden.


Ich bekomme immer mehr Anfragen von Menschen die eine reine online Ausbildung zum pferdegestützten Coach absolviert haben und keinerlei Praxiserfahrung mitbringen. Anfragen wie: Könntest du mir ein paar Einzelstunden von Coach zu Coach geben damit ich meine Berufung als pferdegestützter Coach trotzdem gehen kann? Dies bestätigt mir immer wieder, dass Menschen viel Geld ausgeben und weder Begleitung noch Praxiserfahrung mit auf den Weg bekommen. Das Geld könnte man sozusagen auch direkt aus dem Fenster werfen wenn ich ehrlich sein darf.. Bitte vergleiche die verschiedenen Angebote, nimm dir die Zeit für ein persönliches Gespräch mit dem Ausbildungsanbieter und spüre rein ob dies Menschlich wie auch Inhaltlich passt.


Wenn du spürst, dass du diesen Weg ernsthaft gehen willst, schau gerne bei unseren Aus- und Weiterbildungen der Integralhorse Academy vorbei. Wir bilden keine Coaches in sechs Wochen aus. Wir begleiten Pferdemenschen 1 Jahr lang und auch danach  wenn Bedarf besteht über einen längeren, ehrlichen Weg – mit echtem Coachingwissen,  aber vorallem viel Praxis, ehrlicher Selbsterfahrung und Pferden, die nicht nur auf Stockfotos gut aussehen. 


Mehr dazu findest du auf der Webseite: www.integralhorse.ch

Hier findest du mich!

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