Wenn du nicht weisst, was du willst – weiss es das Pferd auch nicht…

April 29, 2026 | Blogbeitrag

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Wenn du nicht weisst, was du willst – weiss es das Pferd auch nicht…

Sie stand auf dem Reitplatz, in der Hand das Halfter, im Kopf die Erwartung. «Ich möchte, dass das Pferd auf mich zukommt.»

Nubia, meine Stute, hob nicht einmal den Kopf.

Sie schaute kurz hoch, prüfte – und wandte sich wieder dem Heu zu. Keine Ablehnung. Kein Drama. Nur eine ruhige, klare Antwort: «Solange du selbst nicht weisst, wofür du stehst, habe ich keinen Grund, zu dir zu kommen.»


Pferde reagieren nicht auf das, was wir sagen. Sie reagieren auf das, was wir sind.


Die Frage, der viele Menschen ausweichen

Eine der häufigsten Sätze, die ich von Coachees höre, ist: «Ich weiss nicht, was ich will. Aber ich weiss, dass es so nicht weitergehen kann.»

Das ist ein ehrlicher Satz. Und ein wichtiger. Aber er ist auch ein Ort, an dem wir oft länger bleiben, als wir merken. Weil das Nichtwissen sich vertraut anfühlt. Weil es uns davor schützt, eine Richtung zu wählen, die sich vielleicht als falsch erweist.

Pferde halten dieses Nichtwissen nicht aus. Nicht aus Ungeduld – sondern aus Klarheit. Sie brauchen ein Gegenüber, das weiss, wo es steht. Sonst entsteht keine Begegnung. Sondern Leere.


Nubia und Sandra

Sandra (Name geändert) kam zu mir, weil sie sich beruflich neu orientieren wollte. Sie war seit Jahren in einem Job, der sie auslaugte, und gleichzeitig konnte sie nicht sagen, was sie stattdessen wollte. «Irgendwas mit Sinn», sagte sie. «Irgendwas, das mich nicht mehr so leer macht.»

Wir gingen auf den Reitplatz. Nubia war an diesem Tag dabei – die Stute, die nichts geschenkt bekommt und nichts geschenkt gibt. Die fragt: «Wofür stehst du? Bist du klar? Hast du Raum für mich?»

Sandra ging mit dem Halfter zu ihr. Nubia drehte sich weg.

Sandra versuchte es freundlicher. Nubia blieb stehen, kaute, schaute zur Seite.

Sandra wurde ungeduldig. «Sie mag mich nicht.»

Ich habe ihr nichts gesagt. Ich habe sie nur gefragt: «Was willst du gerade wirklich von ihr?»

Sandra schaute mich an. Lange. Dann sagte sie: «Ich weiss es nicht.»

Das war der Moment, an dem das Coaching wirklich begonnen hat.

Wir setzten uns auf den Boden. Weg vom Pferd. Wir sprachen nicht über Nubia. Wir sprachen darüber, was Sandra eigentlich will – nicht beruflich, sondern für sich. Was sie braucht, um morgens nicht mehr mit diesem Stein im Bauch aufzuwachen.

Sie weinte. Sie redete. Sie schwieg. Und langsam, ganz langsam, kam etwas in ihr zur Ruhe. Eine erste, leise Klarheit: «Ich will, dass das, was ich tue, Menschen tatsächlich gut tut. Nicht in einer Statistik. Sondern wirklich.»

Als wir aufstanden und sie wieder zu Nubia ging – ohne Halfter, ohne Plan, ohne Erwartung – hob Nubia den Kopf. Sah Sandra an. Und kam.

Drei Schritte. Senkte den Kopf an Sandras Schulter. Atmete aus.


Warum das Pferd nicht «das Pferd» ist

Was hier geschehen ist, ist kein Trick. Kein Zufall. Kein Pferd, das «gut erzogen» ist.

Was Nubia getan hat, war: präsent zu sein. Und auf das zu reagieren, was wirklich da war. Nicht auf den Plan. Nicht auf das Halfter. Nicht auf die Erwartung. Sondern auf den Moment, in dem Sandra sich selbst gefunden hat.

Das ist das Geschenk dieser Arbeit. Pferde haben keine Agenda. Sie wollen dir nichts beweisen. Sie wollen dir nichts verkaufen. Sie zeigen dir, was ist – nicht weniger, nicht mehr.

Und genau deshalb ist die Begegnung mit ihnen so heilsam. Weil sie uns aus dem Kopf holt. Aus dem Sollte und Müsste. Aus dem ständigen Bewerten. Sie holen uns dorthin zurück, wo wir am meisten zu Hause sind: in unsere eigene Wahrheit.


Was du daraus mitnehmen kannst – auch ohne Pferd

Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem du nicht weisst, wofür du stehst. Beruflich. Privat. In einer Beziehung. Mit dir selbst.

Dann ist die Frage nicht: Wie überzeuge ich die anderen?

Die Frage ist: Was ist eigentlich gerade wahr? Was möchte ich wirklich? Nicht das, was vernünftig wäre. Nicht das, was die anderen erwarten. Sondern das, was sich von innen her richtig anfühlt – auch wenn es noch leise ist.

Pferde lehren uns, dass Klarheit nicht bedeutet, alles zu wissen. Klarheit bedeutet, mit dem in Kontakt zu sein, was gerade da ist. Und das ist genug. Das ist der Anfang von allem.


Du musst nicht wissen, wo der Weg endet. Du musst nur wissen, wo du gerade stehst.


Wenn du tiefer einsteigen möchtest

Pferdegestütztes Coaching ist kein Ort, an dem dir gesagt wird, was du tun sollst. Es ist ein Raum, in dem du dich selbst wieder spüren kannst. Mit der Klarheit eines Pferdes als Spiegel. Mit Wärme. Mit Zeit.

Wenn du Lust hast, das einmal selbst zu erleben – oder wenn du sogar überlegst, diese Arbeit selbst zu lernen und Menschen so zu begleiten – schau gerne auf der Integralhorse Academy vorbei. Dort findest du sowohl Coachings für dich persönlich als auch Aus- und Weiterbildungen für alle, die diesen Weg professionell gehen möchten.

Pferde lügen nicht. Sie spiegeln. Und manchmal ist es genau das, was wir brauchen, um wieder bei uns selbst anzukommen.

Hier findest du mich!

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